29 Freiwillige, fünf Workshop‑Termine und jede Menge Gesprächsbedarf – so fällt die erste Bilanz unseres DialogRaum‑Aufrufs Ende Februar aus. DialogRaum ist ein Projekt der TDG, das Menschen frühzeitig in den Austausch über digitale Technologien einbindet. Anne Breitsprecher hat einen der ersten Workshop‑Tage redaktionell begleitet.

Ein persönlicher Einstieg
Die Eisbrecherfrage an diesem Montagmorgen, gestellt von den Projektmitarbeiterinnen Emma Höbusch und Lisa Patzer, klingt zunächst harmlos: Wie fühlen Sie sich heute?
Zur Unterstützung liegt vor den teilnehmenden Senior:innen im Alter von 69 bis 83 Jahren eine Auswahl an Bildern mit Tiermotiven bereit.
„Ich nehme die Katze, die schaut so schön neugierig“, sagt eine Teilnehmerin und lächelt.
Ein anderer Teilnehmer erzählt offen: „Meine Frau hat mich ein wenig überredet, heute mitzumachen.“ Es gebe seiner Meinung nach 100.000 überflüssige Apps. Auch über digitale Errungenschaften wie die elektronische Patientenakte ließe sich endlos diskutieren. „Deshalb habe ich das skeptische Äffchen gewählt. Ich bin einfach gespannt, was mich erwartet.“
Mit dabei sind außerdem eine pflegende Angehörige mit Interesse an innovativen Pflegehilfen, ein technikaffines Ehepaar sowie eine Dame, die gern kommuniziert und am liebsten draußen unterwegs ist – ganz ohne Hard‑ oder Software.
Schnell wird klar: Die Erwartungen sind hoch, die Meinungen vielfältig. Ideale Voraussetzungen für den DialogRaum.






Ziel des Projekts: Mitreden, mitgestalten
DialogRaum verfolgt das Ziel, die Kompetenzen der Teilnehmenden im Umgang mit digitalen Technologien zu stärken und ihre Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse frühzeitig in Innovationsprozesse einzubeziehen.
Der erste Workshop‑Tag beginnt daher mit einer gemeinsamen Verständigung: In einem Memory‑Spiel werden zentrale Begriffe erklärt. So lernen die Teilnehmenden unter anderem, dass AAL nicht nur ein Fisch ist, sondern auch für Ambient Assisted Living steht – Technik, die den Alltag zu Hause unterstützen kann.
Die vielen englischen Begriffe stoßen dabei jedoch häufig auf Kritik. „Wir können uns schlechter einbringen, wenn wir die Sprache nicht verstehen“, erklärt eine Seniorin. Trotzdem überwiegen Ehrgeiz und Spielspaß.
Technik im Alltag – und ihre Grenzen
Im nächsten Schritt skizzieren die Teilnehmenden einen typischen Tagesabschnitt: Welche Technik nutzen sie dabei? Und welchen konkreten Nutzen bringt sie?
Dabei zeigt sich: Smartphones und Smartwatches sind längst Teil des Alltags. Sie dienen zur Information, Terminorganisation, Bewegungskontrolle, Kommunikation oder Weiterbildung. Auch die Dokumentation von Vitaldaten spielt eine Rolle, etwa bei bestimmten Krankheitsbildern.
Begleitet und moderiert von Emma und Lisa stehen dabei drei zentrale Fragen im Raum:
- Welche Technik kommt für Sie infrage?
- Was können oder möchten Sie nicht nutzen?
- Was ist für Sie wirklich sinnvoll?
Technik erleben: Der Hello Mirror
In der Pause folgt der erste direkte Kontakt mit einer Technologie vor Ort: dem Hello Mirror. Der interaktive Spiegel bietet mehr als 5.400 Übungen und Spiele und wird häufig in Pflegeeinrichtungen eingesetzt.
Die Wahl der DialogRaum‑Gruppe fällt scheinbar zufällig auf „Karaoke“ – und so singt am Ende Hildegard Knef allein „Für mich soll’s rote Rosen regnen“.
Unterstützung ja – Bevormundung nein
Ein anschließendes Video mit einer fiktiven Geschichte sorgt für angeregte Diskussionen: Ein älterer Herr wird dabei beobachtet, dessen Schlaf, Bewegung und Ernährung mithilfe digitaler Anwendungen von seiner Tochter aus der Ferne überwacht werden.
„Gott sei Dank werden wir noch nicht so überwacht“, sagt eine Teilnehmerin erleichtert.
„Ich habe mal eine Trink‑App von meinen Kindern bekommen. Ich trinke wirklich zu wenig, aber die App habe ich nie genutzt“, ergänzt eine andere.
Die Runde ist sich einig: Technik kann unterstützen, soll aber nicht bevormunden. Großen Anklang findet dagegen ein Gegenvorschlag aus der Gruppe: eine App, die Kinder daran erinnert, ihre Eltern anzurufen.
Kreativ werden: Technik, die es geben sollte
Eine perfekte Überleitung zur Hausaufgabe: Die Teilnehmenden sollen sich eine Technik ausdenken und skizzieren, die es ihrer Meinung nach wirklich geben müsste.
Zum Abschluss wird der erste Workshop‑Tag bewertet. Die Noten liegen insgesamt zwischen 2 und 3.
Fazit und Ausblick
„Mir hat der Workshop gut gefallen – besonders, dass er so interaktiv war. Sehr unterhaltsam“, sagt eine Teilnehmerin. „Ich habe jetzt ein besseres Gefühl als davor. Ich sehe ein, dass das Ganze einen Sinn hat“, ergänzt ein anderer. Ein weiterer Eindruck fasst die Stimmung zusammen: „Ein sehr lebendiger Austausch.“
Ob sie beim nächsten Mal wieder dabei sind? Die Antwort aus der Runde ist eindeutig: auf jeden Fall. Die Vorfreude auf den zweiten Workshop und die nächste Begegnung mit Technologien ist groß.