Vom Bedarf zur Praxis: Im DialogRaum werden Technologien greifbar 

Im TDG‑Projekt DialogRaum werden neue Wege der partizipativen Technikentwicklung erprobt. Zahlreiche Senior:innen folgten einem Aufruf Anfang des Jahres und nehmen seitdem an Workshops teil. Ziel ist der Aufbau von Expert:innengruppen, die digitale Gesundheitslösungen aktiv mitentwickeln und bewerten. 

Nach einer ersten Veranstaltung zu Bedarfen und Erfahrungen ging es im zweiten Workshop in die Praxis: Die Teilnehmenden konnten Technologien direkt ausprobieren. Anne Breitsprecher begleitete einen dieser Workshops redaktionell.

Platz am Tisch gibt es an diesem Tag keinen mehr. Die 13 Stühle im Innovationslabor in Halle (Saale) sind besetzt. Alle Teilnehmenden haben den ersten Workshop-Tag in den vergangenen Wochen bereits absolviert.  

Eine kurze Reflexion der bisherigen Erfahrungen im Projekt DialogRaum zeigt: Besonders der Austausch mit den Perspektiven anderer wird als bereichernd empfunden, und die gebotenen Inhalte regen dazu an, offener durch die Welt zu gehen und das eigene Nutzungsverhalten neu zu hinterfragen. Doch vor allem, um Technologien kennenzulernen, sind alle wiedergekommen – darin sind sie sich an diesem Tag einig. 

Technologien verstehen – und hinterfragen 

Workshop-Leiterin Emma Höbusch verspricht: „Es kann nichts schiefgehen“ und gibt damit den Startschuss für den praktischen Teil. 

Um drei Technologien geht es konkret, die durch Expert:innen der Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG) vorgestellt werden.  Damit beim Testen alle einmal eine Chance haben, teilt sich die Gruppe auf. Ihr Arbeitsauftrag: Die Beantwortung folgender vier Fragen… 
 

  • Wem hilft die Technologie? 
  • Was kann sie? 
  • Wo wird sie eingesetzt? 
  • Was kostet sie? 

 

Sicherheit im Alltag: Caru Care 

An der Station Caru Care stellt Marcus Franze den ersten Hausnotruf vor, der per Sprache ausgelöst werden kann. „Wenn Sie stürzen, sendet es ein Signal an den hinterlegten Kontakt, die Angehörigen, ein Pflegedienst, oder den Notruf.“ Ein „Hilfe“ genügt. „Sieht aus wie eine Alexa. Funktioniert aber hoffentlich besser“, sagt eine Teilnehmende. „Es wäre schöner, es bräuchte dafür kein Gerät“, ergänzt eine andere. Gleichzeitig wurde auch der Nutzen klar benannt: „Aber ins Pflegeheim möchte ich auch nicht. Es ist schon das Ziel, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben.“  

Neben praktischen Fragen beschäftigte eine Seniorin der Gruppe auch Grundsätzliches: „Sobald du dich technisch unterstützt, gibst du auch was ab. Informationen, Verantwortung.“ 

Niedrigschwelliger Zugang: Enna Tablet 

Für die Benutzung des Enna Tablets braucht es nur drei Schritte, die Emma Höbusch direkt vorführt: Strom zuführen, kleine Karte für die gewünschte Funktion auflegen und verbinden. Und schon ist ein Videoanruf mit der Familie, die Regelung von Terminen oder der Blick in die regionale Tageszeitung kein Problem. Die Zugänglichkeit steht im Fokus. Bei den Probanden in Halle kommt die einfache Bedienung an: „Finde ich gut. Das sollte weiterentwickelt werden“ oder „Das hat Unterhaltungswert. Das kann ich mir für mich vorstellen“, hört man aus der Testgruppe. 

Gleichzeitig gibt es auch kritische Nachfragen zur technischen Umsetzung und Aktualität. Insgesamt zeigt sich: Lösungen, die einen einfachen Einstieg in die digitale Welt ermöglichen, stoßen auf besonders großes Interesse. 

Virtuelle Realität: Meta Quest 3 

Die VR-Brille an der Station Meta Quest 3 sorgt an diesem Tag für besonders gemischte Reaktionen. Im Einsatz ist sie unter anderem in der Pflegeausbildung, um Trainingsszenarien im geschützten virtuellen Raum üben zu können, wie FSJler Konstantin Koch den Senior:innen erklärt. Während einige die Erfahrung neugierig ausprobieren, überwiegen bei anderen die Zweifel: „Das ist anstrengend und nicht gut für die Augen“, ist ein Proband überzeugt. „Da bleibe ich doch lieber vor dem Fernseher“, sagt ein anderer Teilnehmer. Auch körperliche Reaktionen spielten eine Rolle: „Die Kopfschmerzen und das Schwindelgefühl würden mich eher verunsichern.“ Gleichzeitig wurde die Technologie differenziert betrachtet: „Die VR-Brille ist vielleicht für junge Menschen eher geeignet.“ 

Mehr als Technik: Eine Grundsatzdiskussion 

Über die einzelnen Anwendungen hinaus entwickelt sich eine lebhafte Debatte über die grundsätzliche Rolle von Technologie im Alltag. Ein Gedanke kehrt dabei immer wieder: „Am Ende werden Technologien nie die Menschen ersetzen.“ Ähnlich deutlich formulieren andere die Grenzen technischer Lösungen: „Technologien haben auch Grenzen.“ Gerade im Kontext von Pflege gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. „Pflege ist Berufung“, sagt eine Teilnehmerin – und unterstreicht damit, dass menschliche Zuwendung für sie nicht ersetzbar ist. 

Gleichzeitig ist die Diskussion keineswegs von Ablehnung geprägt. Vielmehr stehen Skepsis und Offenheit nebeneinander. „Warum sollte man neue Technologien nicht auch ausprobieren?“, wirft ein Teilnehmer ein. Eine andere Stimme ergänzt: „Man profitiert auch von vielen anderen Erfahrungen als nur von seiner eigenen.“ 

So verdichten sich die unterschiedlichen Perspektiven zu einem gemeinsamen Fazit: Technologie kann unterstützen – aber sie ersetzt keinen menschlichen Kontakt. Oder, wie es eine Teilnehmerin prägnant formuliert: „Wir brauchen uns alle gegenseitig.“ 

Die Diskussionen entstehen dabei beinahe unmittelbar. Fragen, Zweifel und Einschätzungen werden offen geäußert, aufgegriffen und weiterentwickelt. Es wird widersprochen, ergänzt und gemeinsam reflektiert – engagiert und auf Augenhöhe. 

Deutlich wird dabei auch ein Rollenwandel: Die Teilnehmenden verstehen sich nicht mehr nur als Nutzende, sondern zunehmend als kritische Bewertende, die Technologien einordnen, hinterfragen und aktiv mitgestalten. 

DialogRaum lädt zur Open Lab Night

Für Workshopleiterin Emma Höbusch spiegelt genau das den Kern von DialogRaum wider. „Wir wollten Menschen an einen Tisch bringen, um sie in Innovationsprozesse stärker zu involvieren”, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin. “Das ist uns mit den Workshops gelungen. Wir konnten in den Runden einen Grundstein für gemeinsame TechnologieProzesse setzen.“ 

Diese Offenheit trägt das Projekt auch über die Workshops hinaus nach außen: Im Rahmen der  Langen Nacht der Wissenschaft lädt DialogRaum zu einer Open Lab Night ein, um den Austausch fortzusetzen und neue Interessierte einzubeziehen. Dort wird das Projekt öffentlich vorgestellt und bietet Raum für Begegnung, Diskussion und Vernetzung. 

Probleme in der Pflege heute – Lösungen für morgen 

Herausforderungen und Ideen aus dem Alltag von Pflegekräften

Datum: Individuell vereinbar  

Dauer: 60 Minuten 

Ort: (vorerst) digital 

Kosten: kostenlos 

Teilnehmeranzahl: max. 10 Personen

Referent:in: Mitarbeiter:in TDG Bündnismanagement

Sie arbeiten in der Pflege? Geht es um die Gegenwart in ihrer Branche, kennen Sie die täglichen Herausforderungen am besten. Denken Sie an die Zukunft, wissen Sie genau, was Sie anders oder besser machen würden? Sprechen wir darüber! 

Wir möchten Ihren und den Alltag von Pflegebedürftigen durch den Einsatz und die Entwicklung innovativer Lösungen verbessern. In diesem Mitmach-Format geht um den Austausch mit Ihnen, denn Sie sind der Experte/die Expertin. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie Probleme mit bereits vorhandenen Innovationen gelöst werden können. Oder welche Lösungen es in Zukunft braucht, um Ihnen die Arbeit zu erleichtern.  

Bei Interesse schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir gestalten unsere Mitmach-Formate individuell und passen sie bedarfsorientiert an Sie an. 

Für wen? Pflegefachkräfte, pflegende Angehörige, Interessierte, Pflegebedürftige.

Pflege-Innovationen in die Praxis integrieren – aber wie?

Austausch-Format für Entscheider*innen in der Pflegewirtschaft 

Datum: Individuell vereinbar  

Dauer: 60 Minuten 

Ort: (vorerst) digital 

Kosten: kostenlos 

Teilnehmeranzahl: max. 5 Personen

Referent:in: Mitarbeiter:in TDG Bündnismanagement

Innovationen im Bereich der Pflegewirtschaft sind bereits vorhanden. Durch TDG-Projekte kommen neue dazu. Neben den Anwender:innen und Betroffenen, für die diese Lösungen entwickelt werden, benötigt es Entscheider:innen im Bereich Pflege und Gesundheit. 

Sie sind Leiter:in einer Pflegeeinrichtung oder Pflegedienstleister? Sie haben auf kommunaler Ebene Verantwortung für die Daseinsvorsorge im Gesundheitswesen? Sie möchten neue Lösungen in ihrer Einrichtung integrieren oder neue Ideen mitentwickeln und Pflege künftig erleichtern? Dann ist dieses Mitmach-Format genau das Richtige für Sie. 

Wir stellen Ihnen aktuelle Innovationen vor. Erklären Ihnen, wie Innovationen entstehen und diskutieren mit Ihnen, wie Innovationen in die Praxis und damit in den Alltag von Millionen von Betroffenen überführt werden können. Lassen Sie sich von uns informieren und inspirieren. 

Bei Interesse schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir gestalten unsere Mitmach-Formate individuell und passen Sie bedarfsorientiert an Sie an.

Emotions-Roboter, schlaue Spiegel & Co. 

Digitale Innovationen kennenlernen und diskutieren

Datum: Individuell vereinbar 

Dauer: 60 Minuten  

Ort: (vorerst) digital 

Kosten: kostenlos 

Teilnehmeranzahl: max. 10 Personen

Referent:in: Mitarbeiter:in TDG Bündnismanagement

Innovationen in der Pflege sollen alltägliche Abläufe unterstützen und das Leben von Pflegebedürftigen sowie von Pflegenden vereinfachen und verbessern. Bereits heute gibt es zahlreiche Lösungen, die zu mehr Mobilität und Selbstversorgung führen. Zudem können kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie das Alltagsleben mit sozialen Kontakten durch Innovationen aufrechterhalten bleiben.  

In unserem Mitmach-Format geben wir Ihnen Einblicke in bereits bestehende Innovationen und erklären, wie Sie diese in Ihren Alltag integrieren können. Lassen Sie sich überraschen, was es neben Emotions-Robotern, digitalen Tablettenspendern, intelligenten Spiegeln oder elektrischen Rollatoren heute schon gibt. 

Wir führen Sie (vorerst) digital an diese Innovationen heran und diskutieren mit Ihnen über Stärken, Schwächen und die Alltagstauglichkeit.   

Bei Interesse schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir gestalten unsere Mitmach-Formate individuell und passen sie bedarfsorientiert an Sie an. 

Für wen? Pflegefachkräfte, pflegende Angehörige, Interessierte, Pflegebedürftige